6 Leben

Ja... dann erzähl ich mal ein bisschen. Mein "Werdegang" wird wohl manchen bekannt vor kommen, der so wie ich mit einer Tetraspastik leben darf oder muß.

1967 wurde ich geboren. wie viele Babys, hatte ich die Nabelschnur um den Hals. Das nahm mir wohl so viel Sauerstoff, das die Ärzte im Laufe der ersten Lebensmonaten feststellten, das mit mir etwas nicht stimmte. Das ganze Ausmaß wurde wohl erst über meinen ersten Lebensjahren gewahr. Krankengymnasik begleitete meine Kindheit. Zu Anfangs war ich nicht mal im stande, den Kopf selbständig zu halten. Aber schreien konnte ich, nach "Aussage" meiner Mutter schrie ich ständig die Praxis zusammen, sobald ich nur merkte, was da wieder mal auf mich zu kam. Das ich heute mit meiner Behinderung positiv ummgehen kann verdanke ich meinen Eltern...und meiner Natur......besonders aber meinem Vater, der oft mit mir das Laufen übte...überall: während Spaziergängen....im Garten, den Gang hoch und runter....weils mir später als ich 12 war peinlich wurde, fuhr er mit mir zu den abgelegensten Stellen um mit mir das Laufen zu trainieren. Er ermöglichte mir auch viele Dinge trotz meiner Behinderung...ich weiß wie sich das Watt der Nordsee unter den Füßen anfühlt, weil er die Anstrengung auf sich nahm mit mir kurze Strecke duch das Watt zu Laufen....Ich habe ihm nie gesagt, wie dankbar ich ihm dafür bin....ich hoffe aber er weiß es.......Er starb am 27.09.05.

Das ich so weit "fit" bin, verdanke ich meinen Werdegang... ich besuchte mit 3 Jahren einen Heilpädagogischen Kindergarten... hört sich befremdent an...aber es war der beste Start für mich. Die Personen die mich dort umgaben waren sehr konsequent dennoch liebevoll in der Förderung. Ich lernte das Krabbeln, was über Jahre meine Art mich fortzubewegen wurde. Im Kindergarten über die Flure....ich hatte Spaß! Meine Eltern förderten mich sehr...nach einer Operation an der Achillesferse mit 6 Jahren...trainierten sie das Laufen mit mir. An einer Hand ging ich einige Meter an der Hand meines Vaters spazieren. Ich hatte die ersten Jahre einen lieben Lehrer (mit dem ich noch heute Kontakt habe), der mit mir ebenfalls trainierte. Ich glaube er war ebenfalls so stolz wie ich, wenn ich Fortschritte machte. Ich hatte Spaß daran mehr zu erreichen...mir machte Krankengymnasik später in der Schulzeit (Körperbehinderten-Schule) sehr viel Spaß - muß aber auch sagen, das das auch wohl an der Krankengymnastin lag - Nach meiner Operation bekam ich ausserdem noch KG nach Bobath...das hat bekanntlich den Ruf, das Kinder diese Art von KG nicht sehr "witzig" finden. Anstrengend wars, das weiß ich wohl noch. ´Schon im Kindergarten bekam ich zum Laufen einen Rollatur...klingt witzig...aber mit diesen Ding veranstalteten wir Rennen. Unsere Krankengymnasten mochten wohl manchmal gar nicht hinsehen....egal hier wurde auf "Schnelligkeit" und nicht auf "Haltung" geachtet. Geschafft habe ich es dann bis zum Laufen an Böckchen.

Dann wurde mir und meinen Eltern vorgeschlagen, das ich es sehr wohl schaffen konnte, eine "normale" Schule zu besuchen...nein nicht aufgrund, das ich mich ohne Rolli bewegen konnte, nein den bekamm ich mit 8 Jahren oder so....man war der Meinung ich könnte mich dort schon zurechtfinden. Einverstanden war ich scho, dennoch merkte ich bald, was ich hinter mir ließ. Vertrautheit und Sicherheit ließ ich zurück...

Nun war ich eine Behinderte...eigentlich zum ersten mal in meinem Leben. Die einzigste Rollifahrerin in einer Klassed mit 29 "laufenden" Kinder. Nun mußte ich erklären, warum ich im Rolli sitze...den Jungs war das Wort "spasti" wohl wieder in Erinnerung gerufen durch mich, jedenfalls titullierten sie sich meiner Meinug sehr oft mit diesem Ausdruck. Obwohl ich eigentlich nicht unbedingt auf dem ersten Blick immer gleich "spastisch" wirke. Dennoch akzeptierte man mich mit der Zeit...Dickköpfe gabs natürlich immer, die absolut nichts mit mir am Hut hatten. Aber damit kann man umgehen, wenn man sich und seine Behinderung akzeptiert. Später auf der Realschule entwickelten sich sogar engere Freundschaften. Nicht unbedingt nur mit Mädchen (***lach**)!!

Was in dieser Zeit ein bisschen auf der Strecke blieb war die Krankengymnastik. Nun mußte ich mir....wenn ich was tun wollte...mir selber eine Praxis suchen. Es gab mehrere Pausen. Nach der Schule habe ich eine Büroausbildung im Berufsbildungswerk Maia - Veen gemacht. Dort war ich zwei Jahre...klar mit regelmäßiger KG. In der Orthopädie wurden mir Schuhe angefertigt, die mit Phantasie denen ähnelten, die mir schon als Kind Blasen verursachten...das Laufenn war nun nicht mehr ganz so sicher. War die kindliche leichtigkeit weg??? Oder war das halt so, wenn man nicht am Ball blieb??? Auch diesed Ausbildung beendete ich mit Prüfung. Nun war ich mit 18 wieder ganz im Elternhaus...arbeitslos. Ich suchte mir eine KG-Praxis in der Nähe, wo ich bei guten Wetter mit meinem E-Rolli selbst hinfuhr.

1989 am 12.09. lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Wir haben zwei Jungs 13 und 8 Jahre....

Nur bei Fabian hatten wir anfags Hilfe. Bin nun seit 13 Jahren nicht mehr am Arbeiten. Die Kids sind nun aus dem gröbsten raus. Ich befinde mich nun in einer Phase, wo ich - wie vielleicht gesunde Menschen auch - sich fragen...wíe weit könnte ich es noch schaffen? Lohnt es sich noch mal alle Kraft zu nehmen und nochmal "ein bisschen zu Laufen"?? Hört sich an wie eine Mama, die das "Joggen" wiederentdeckt - aber manchmal.... habe im Moment bei uns in einem Reha-Zentrum (MEDICOS)...gehe dort sehr gerne hin................

cui conny

 

Diese Zeilen möchte ich meinem Sohn Oliver widmen ..... von Ihm wünsche ich mir, daß er dieses irgentwann einmal liest .... dann wird er GANZ genau wissen, daß ich ihn über alles liebe, den ER ist ein Teil von MIR - genau wie es sein OPA FRITZ es war !!!!

In DIR mein Sohn finde ich mich immer mehr wieder ...... und weiß wer ich vor vielen Jahren einmal war und wieder sein möchte .... DANKE

     ICH HAB DICH LIEB

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